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Mein Sohn würde gerne jede einzelne Seite kneten und zerknittern und zerreißen und schließlich essen. Meine Katzen würden mit dem Lesebändchen spielen, ihre Krallen am Einband wetzen und ihr Köpfchen auf seinem Rücken betten, wenn sie ein Nickerchen machen. Ich möchte es an mich drücken, daran schnuppern, immer wieder über das Papier streichen, darin blättern, es auf- und zuschlagen.
 Und gleichzeitig habe ich Angst, auch nur eine Seite zu lesen, weil ich dann mit Sicherheit irgendeine Formulierung finde, die mir plötzlich nicht mehr gefällt.
Es ist da: mein Buch. Mein erstes Exemplar von "Splitterherz" wurde heute Mittag mit der Post geliefert, unschuldig versteckt in einem kleinen Karton und doch von solch hoher persönlicher Bedeutung. Denn mit diesem ersten Buch ist ein Traum in Erfüllung gegangen.
Aber was ist ein Buch ohne seine Leser? Eigentlich nur eine Idee. Erst die Leser, erst ihre Vorstellungskraft und ihre Fantasie erwecken die Lettern zum Leben, verleihen den Personen ein Gesicht und eine Stimme und eine Ausstrahlung. In dem Moment, in dem meinen Buchstaben irgendwo da draußen beim Lesen ein Sinn verliehen wird, wird die Geschichte wahrhaftig - ob zu Hause im kuscheligen Bett, auf dem Sofa, im Zug, am Strand, in den Schulpausen oder auch beim Essen (ich gehöre zu den Menschen, die beim Essen gerne lesen - doch Vorsicht mit dem Einband, er ist sensibel wie die Protagonisten, die er verbirgt!).
Erst mit seinen Lesern wird aus einem Traum tatsächlich ein Buch.
Deshalb hoffe ich sehr, dass es diese Leser geben wird und ich sie mit meiner Geschichte für einige Augenblicke, vielleicht sogar für einige Stunden lang in eine andere Sphäre entführen kann ... und ich danke dem Verlag für all sein Vorschussvertrauen, die tolle Zusammenarbeit, den wundervollen Einband und die vielen erfüllenden und intensiven Momente der vergangenen Monate.
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